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Social-Distancing in der Quarantäne

Ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht und bin dazu auf einen Nenner gekommen. Sicherlich gäbe es noch deutlich mehr Wege diesen sozialen Konflikt zu begründen - hier nun mal meine Version:

Ein Grundbedürfnis von uns Menschen sind GRENZEN. Grenzen geben Sicherheit, sie schützen und geben, in einem klar definierten Rahmen, Raum zu sein. 

Die aktuell definierten Grenzen der Regierung dienen zum Schutz der Bevölkerung. Jedoch sind wir in der Quarantäne, im engen Zusammenleben mit unserer Familie, Partner, WG-Kolleg etc. ständig mit Grenz-Überschreitungen konfrontiert. Das Zusammenleben auf engem Raum über längere Zeit führt dazu, dass wir unsere persönlichen Grenzen nicht mehr wahren können. Die Grenzüberschreitungen entstehen aus *Platzgründen weil man mehr Raum für sich / mehr Privatsphäre haben möchte, aus neuen Aufgaben denen wir nicht gewachsen sind wie z.B. unterrichten, den Tag selber strukturieren, regelmässig kochen etc. - all diese Dinge können die persönlichen Grenzen überschreiten und wir fühlen uns überfordert. 

 

In anderen Worten wird zurzeit ein Bedürfnis von uns gestillt und gleichzeitig ständig tangiert.

 

Wie geht man nun damit um? Die einen reagieren mit **genervt sein / (verbaler) Aggression. Aggression ist ein Mittel zu kommunizieren, dass das Gegenüber (oder die gegebene Situation) die persönliche Grenze überschritten hat. Hinter der Aggression steckt meist Angst: Angst davor, keine Privatsphäre mehr zu erhalten, Angst davor nicht zu genügen oder etwas falsch zu machen ( wie z.B. zu unterrichten) usw. Aggression ist grundsätzlich gesund, da man sich selbst respektiert, in dem man sein Bedürfnis - in diesem Fall nach Grenzen - kommuniziert. Jedoch kann Aggression, oft für das Gegenüber, unangenehm sein.

 

Welche Alternativen gibt es denn sonst noch, mit Grenzüberschreitungen während der Quarantäne umzugehen? Ein ziemlich simpler Weg stellt für mich in dieser Situation "das - sich - eingestehen" dar. Die aktuelle Situation kann man nicht einfach ändern. Das Bedürfnis nach Grenzen bleibt jedoch bestehen. Daher kann es sehr hilfreich sein, sich zumindest sein Bedürfnis einzugestehen auch wenn es nicht unmittelbar gestillt werden kann.

 

Gesteh Dir ein:

  • ... dass Du Dir mehr Privatsphäre und Raum wünschst - damit nimmst Du Dein Bedürfnis ernst. Sofort mehr Platz kriegst Du wahrscheinlich nicht, aber vielleicht zumindest ein paar Ideen wie Du Dir Platz schaffen kannst... 
  • ... dass Du mit unterrichten, Tag strukturieren, kochen etc. überfordert bist - damit nimmst Du Dich ernst und merkst, dass Schwäche menschlich ist und es womöglich sogar Alternativen gibt, damit Du Dich mehr Deinen Ressourcen anstatt Deinen Schwächen widmen kannst

Habe den Mut:

  • ... auch während der Quarantäne Dir Raum zu verschaffen anstatt die Nähe / Grenzüberschreitung auszuhalten und dabei immer aggressiver zu werden - damit dienst Du Dir und auch Deinem Umfeld
  • ... auch während der Quarantäne zu Deinen Grenzen / Schwächen zu stehen damit sie nicht zu Grenzüberschreitungen werden

Nähe - Distanz - Quarantäne - Grenze - Bedürfnis - Ich&Du - Mut zu sein

 

* Platz ist ebenfalls ein Grundbedürfnis von uns Menschen

** genervt sein ist eine schwache Form der Aggression